Fahrrad- und Wanderguide Sjötorp-Tåtorp

Entlang des Göta Kanals zu wandern oder radeln ist ein einfaches Unternehmen. Sie folgen dem mit Kies belegten und autofreien Leinenpfad, und haben den Kanal stets neben sich. Dieser Guide begleitet Sie von Sjötorp am See Vänern bis nach Tåtorp am See Viken. Diese Strecke beträgt 35 km und der Höhenunterschied ist insgesamt 48 m. Entlang der Strecke gibt es mehrere Sehenswürdigkeiten, Rastplätze, Restaurants für Mittagessen sowie Zugang zu Toiletten.

 

Hier finden Sie Informationen über den Wasserweg, die Schleusen und Brücken sowie auch über die einzigartige Geschichte des Kanals. Vor Ihnen liegt ein spannendes und einzigartiges Abenteuer in fantastischer Natur und Atmosphäre. Hier werden Sie immer wieder die Einwirkung der Geschichte spüren.

 

Herzlich willkommen!

 

Falls Sie diesen Guide lieber herunterladen möchten, ist er hier als PDF-Dokument erhältlich.

 

Die Göta Kanal-Geschichte in Kürze

Der Göta Kanal ist eines von Schwedens grössten Bauwerken aller Zeiten. Er erstreckt sich von Sjötorp am See Vänern bis nach Mem an der Ostsee. Die gesamte Strecke ist 190 km lang, wovon 87 km von Hand gegraben sind.

1810 wurde unter der Leitung von Vizeadmiral Baltzar von Platen mit dem Bau des Kanals begonnen. Soldaten aus dem ganzen Land wurden beschäftigt. Die ersten Spatenstiche machte man in Motala, gleichzeitig begann man mit der Arbeit auch in Forsvik und Sjötorp. Insgesamt schufteten während dem Bau des Kanals 58 000 Männer – grösstenteils schwedische Soldaten, einige russische Deserteure und private Arbeiter. Die westliche Strecke des Göta Kanals, zwischen Sjötorp und Karlsborg, war 1822 fertiggestellt. Zehn Jahre später, 1832, konnte man auch die Strecke zwischen Motala und Mem einweihen. Somit war der gesamte Göta Kanal fertig und befahrbar.

 


 

Sjötorp

Die Pforte zum See Vänern ist ein idyllisches, kleines Dorf. Baltzar von Platens Plan war, Sjötorp zu einer grösseren Stadt zu machen, was nie verwirklicht wurde. Hierhin kommen Touristen, um die spezielle Atmosphäre und die wunderschöne Umgebung entlang des Kanals und am See Vänern zu geniessen.

Die erste Schleuse, die sogenannte Seeschleuse, führt die Schiffe vom See Vänern hinein ins Schleusensystem des Göta Kanals. Der Name der Schleuse ist „die Konstitution“, nach der neuen Regierungsform, welche in Kraft getreten war, nachdem König Gustav IV Adolf vom Thron gestürzt worden war. Auf der Ostseite der Schleuse steht ein Steintisch, an dem König Karl XIV Johan am 23. September 1822, während der Einweihung der Weststrecke des Göta Kanals, gemäss Legende sein Frühstück eingenommen haben soll.

Vor der Brücke über die Landstrasse, die durch Sjötorp führt, liegt das nächste Schleusenpaar, Sjötorp 2-3. Sjötorp 2 hat den Taufnamen „Der Adel“ erhalten, und Sjötorp 3 folglich „Die Priester“. Dies ist die erste Doppelschleuse des Kanals, mit einer Fallhöhe von insgesamt 4,8 m.

 


 

Die Familie Thörn

1899 trat Anders Thörn seine Anstellung als Schleusen- und Brückenwärter in Sjötorp an. Zu dieser Anstellung gehörten zwei Schleusen und eine Brücke, eine Unterkunft sowie freier Zugang zu Brennholz. Die Schiffe verkehrten Tag und Nacht – schlaftrunken musste der Schleusenwärter rausgehen und die Schleusenventile öffnen, das richtige Wasserniveau abwarten und anschliessend die Schleusenpforten öffnen. Thörn bediente die Doppelschleuse. Die Brücke war einfacher – diese konnte durch die Ehefrau Thörn und später durch die Kinder von Hand bedient werden.

Eine Familie als Unterstützung zu haben war beinahe eine Voraussetzung. Man musste einfach die Kraft für das Kurbeln haben. Trotz unregelmässigen Arbeitszeiten und harter Arbeit war ein gewisser, unausgesprochener Status vorhanden. Zumindest konnte man bei feierlichen Gelegenheiten eine Uniform tragen. 1930-1952 hatte der Sohn Gustav Thörn dieselbe Arbeit wie sein Vater, und beide waren ausserdem Schreiner.

 (Auszug aus dem Buch „Göta kanal – bilder från västra linjen“ von Owe E Hermansson, 2002)

 


 

Nach der Brücke erreicht man das Werftbassin mit dem Yachthafen. Während dem Bau des Kanals wurde hier eine Werft errichtet. Ebenfalls gab es hier eine Schmiede und ein Trockendock für Reparaturen von auf dem Kanal verkehrenden Schiffen. Heute wird die Werft als Werkstatt für Reparaturen im westlichen Teil des Kanals genutzt.

Am Kai befindet sich das Café Baltzar von Platen. Hier werden während des Sommerhalbjahres Gebäck und Speisen serviert, ebenfalls gibt es hier ein kleines Geschäft. Im oberen Stockwerk des Hafenmagazins kann man die Ausstellung über den Göta Kanal und die Schifffahrt auf dem See Vänern besuchen.

 


 

Wassertreppe”
von Bengt Olson, 2007

Während des 175-Jahre-Jubiläums in Sjötorp wurde diese grosse Skulptur neben der alten Werft in Sjötorp enthüllt. Sie soll an die 58 000 Menschen erinnern, die in den Jahren 1810 bis 1832 mit ihren 116 000 Händen den Göta Kanal zwischen Sjötorp und Mem gegraben haben. Die Skulptur besteht aus Granitsteinblöcken aus der Provinz Bohuslän.

Die Skulptur ist ein Teil des Kunstprojektes „Visionen am Wasser“, das seit vielen Jahren ordentliche Abdrücke entlang des Göta Kanals schafft. Ein jährlicher Kunstwettbewerb hat zu bestehenden Kunstinstallationen oder Ausschmückungen in vielen der Gemeinden entlang des Kanals geführt.

Das Kunstprojekt „Visionen am Wasser“ ist eine Zusammenarbeit zwischen der Kanalgesellschaft, den Regionen Östergötland und Västra Götaland sowie den Gemeinden Norrköping, Söderköping, Linköping, Motala, Karlsborg, Töreboda und Mariestad. Das Projekt arbeitet auch zusammen mit dem staatlichen Kunstausschuss.

 


 

Vor der nächsten Schleuse passiert man eine moderne Klappbrücke, über welche eine Fernstrasse führt. Die darauffolgende Doppelschleuse heisst Sjötorp 4-5. Sjötorp 4 hat den Taufnamen „Die Bürger“ erhalten, Sjötorp 5 somit „Die Bauern“. Zusammen mit der Doppelschleuse Sjötorp 2-3 bilden Sjötorp 4-5 die „Die vier Reichsstände“. (Adel, Priester, Bürger und Bauern)

Sjötorp 6, „Die Landwirtschaft“ genannt, ist eine Einzelschleuse mit einer Fallhöhe von 2,4 m. Bei der sechsten Schleuse im Schleusensystem von Sjötorp steht ein einzigartiges Schleusenwärterhaus. Vermutlich wurde das Haus bereits in den 1810-er Jahren erbaut.

Die ältesten dieser Schleusenwärterhäuser wurden in Naturstein erbaut, so auch dieses. Wie man es sich gut vorstellen kann, war in diesen Häusern stets sehr kalt im Winter. Dies ist der Grund, weshalb viele Häuser abgerissen, und durch Holzhäuser ersetzt wurden. Das neue Haus wurde 1921 erbaut und ist grösser als die meisten der Kanalhäuser.

 

Nach etwa einem Kilometer macht der Kanal eine scharfe Kurve nach rechts, die sogenannte „Butterbrotkurve“. Nach dieser Kurve kommt man zu einer Doppelschleuse, Sjötorp 7-8. Sjötorp 7 heisst „Das Bergwerk“ und Sjötorp 8 „Der Handel“. Das Haus, in dem der Schleusenwärter wohnhaft war, wurde 1895 auf einem Granitsockel erbaut. Als man die Steinhäuser in den 1890-er Jahren durch Holzhäuser ersetzte, wurden Holzverzierungen an den Häusern beliebt. An diesem Haus ist dies deutlich zu sehen.

 


 

Niklas Nilsson

Im gelben Haus neben der Schleuse wohnte der Schleusenwärter, welcher hier in Sjötorp arbeitete. Es wurde bereits 1859 aus Holz und auf einem Granitsockel erbaut.

Niklas Nilsson arbeitete über 50 Jahre lang als Schleusenwärter bei der Schleuse 7-8 in Sjötorp. Am 1. April 1857 begann er seine Arbeit und beendete diese am selben Tag im Jahr 1912. Zweimal wurde er mit einer Medaille der „Patriotischen Gesellschaft“ belohnt. Bereits 1882 erhielt er die kleine Medaille, 1906 dann auch die grosse.


 

Nun folgt eine etwa zwei Kilometer lange Strecke, bevor Sie die Brücke von Rogstorp erreicht. Gleich nach der Brücke kann man auf dem Acker auf der rechten Seite einen grossen Stein erblicken, dessen Form an einen Wacholderbeerenbusch erinnert. Es handelt sich dabei um einen über 1000 Jahre alten Runenstein mit Kreuzzeichen und Tierreliefs.

 


Die Ellensteine entlang des Göta Kanals

Die Fuhrmänner, welche einst mit Hilfe von Ochsen die Segelschiffe durch den Kanal gezogen haben, wollten natürlich für ihre Dienste bezahlt haben. Um das Vergütungssystem zu vereinfachen, wurden Ellensteine (Alnstenar) entlang der gesamten Kanalstrecke aufgestellt. Insgesamt wurden 143 Steine aufgestellt und zwischen jedem Stein waren es 594 Meter (1 000 Ellen = Alnar). Die Miete für zwei Ochsen, welche das Schiff 1 000 Ellen (Alnar) zogen, betrug am Ende des 19. Jahrhunderts etwa 8 „Öre” (1 SEK = 100 Öre).

Heute sind sämtliche Steine auf der westlichen Seite bewahrt und restauriert, leider ist dies auf der östlichen Seite des Kanals nicht der Fall.

 


 

Lyrestad

Nach einigen weiteren Kilometern erreicht man Lyrestad, ein Dorf mit etwa 450 Einwohnern. Hier gibt es nicht weniger als drei Brücken über den Kanal – für die Eisenbahn, die Landstrasse und die Fernstrasse E20. Auch hier erwartete von Platen, dass sich eine grössere Stadt entwickeln würde… dieser Traum ging jedoch nicht in Erfüllung.

Das grosse Kanalmagazin in Lyrestad wurde 1823-1824 erbaut. Während vielen Jahren wurde das Magazin als Umlade- und Verwahrungsplatz für Waren genutzt, welche von hier aus weitertransportiert wurden. Seit den 1970-er Jahren gehört das Magazin dem Heimatverein von Lyrestad. Man hat das Gebäude renoviert und darin ein Museum eröffnet.

 


 

Ester Bergman

1929 ruderte Ester Bergman von Stockholm nach Göteborg. Eine ungewöhnliche Transportweise, speziell für Frauen und speziell in der damaligen Zeit.

Die Geschichte erzählt jedoch nicht, ob Ester während der ganzen Strecke selbst ruderte. Es gibt überhaupt keine Angaben oder Dokumentation über diese Reise. Die Geschichte über Ester ist aber auf einer Postkarte im Heimatvereinsmuseum in Lyrestad aufgeschrieben.

(Auszug aus dem Buch „Göta kanal – bilder från västra linjen“ von Owe E Hermansson, 2002)

 


Norrkvarn

Nun führt die Wanderung oder Fahrradtour unter der Fernstrasse E20 hindurch und ca. 2 km weiter in Richtung von Norrkvarn, wo es zwei Schleusen gibt. Die untere Schleuse heisst „Samuel Bagge“, die obere „Die Handwerke“. Gleich neben der oberen Schleuse auf der westlichen Seite befindet sich ein Kalkschuppen, in dem es eine Ausstellung über die Bedeutung von Norrkvarn während der Kanalbauzeit zu sehen gibt. Von hier aus führt ein ca. 500 m langer, markierter Wanderweg mit Schildern, die über die Kulturgeschichte und Natur der Gegend informieren. Gleich nach der oberen Schleuse führt eine Rollbrücke für Autos über den Kanal.

 


 

Die Arbeitsstation in Norrkvarn, 1810-1823

Die Arbeitsstation in Norrkvarn war ausgesprochen wichtig für den Bau des Kanals. Von hier aus sollten 5,8 km des Kanals fertiggestellt werden. In Norrkvarn musste man viele technische Probleme bewältigen. Gewässer mussten umgeleitet werden, das Moor von Fredsberg musste entwässert und hohe Dämme errichtet werden. 200 m südlich der Brücke befindet sich die Mühle aus dem Jahr 1927. Das Mühlengebäude mit seinen vier Stockwerken wurde an einem Platz erbaut, an welchem sich schon früher eine Mühle befunden hatte. 2004 wurde das Gebäude vollständig renoviert und heute ist hier die Hotel- und Konferenzanlage Norrqvarn untergebracht. 

 

„Rosarotes Echo – inneres Feuer”
von Katarina Norling, 2012

Die Künstlerin beschreibt ihr Kunstwerk am Göta Kanal wie folgt: „Das Kunstwerk „Rosarotes Echo – inneres Feuer“ ist ein Portal in die Natur. Wenn jedoch der Kanal still liegt, spiegelt sich das Portal und dessen Flammen und Gegenstände im Wasser. Dann führt das Portal direkt ins Wasser…“


 

Nach Norrkvarn wandern oder radeln Sie ungefähr zwei Kilometer, bis man die nächste Doppelschleuse in Godhögen erreicht. Die elfte Schleuse des Kanals heisst „Die Wissenschaften“, wurde 1822 erbaut und hat eine Fallhöhe von 5,1 m.

Nach weiteren zwei Kilometern erreicht man Riksberg und die Dreifachschleuse „Baltzar von Platen“, genannt nach dem Gründer des Kanals. Diese Schleusentreppe ist die einzige auf der westlichen Strecke des Göta Kanals und hat eine gesamte Fallhöhe von 7,5 m. Kurz vor Riksberg kommen Sie an einer Rollbrücke vorbei. 

 

 

Hajstorp

Hajstorp bietet die letzte, grössere Steigung, bevor der Kanal wieder abflacht und bald seinen höchsten Punkt erreicht. Hier gibt es die Doppelschleuse Hajstorp Nedre, auch „Kriegsmacht“ genannt, sowie die Doppelschleuse Hajstorp övre, auch „Thomas Telford“ genannt, nach von Platens schottischem Ratgeber.

Zusammen haben diese vier Schleusen eine Fallhöhe von 10,1 m. Vom See Vänern bis nach Hajstorp sind nun die Schiffe also insgesamt 48 m hinaufgeklettert. In Hajstorp kann man eine von wenigen, noch immer bewahrten Rollbrücken aus der Werkstatt von Motala bewundern.

 


 

M/S Ariadne

Im Sommer 1956 war das Kanalschiff Ariadne Teil der Produktion des Filmes „Skorpan“ mit schwedischen Schauspielern wie Nils Poppe, Marianne Bengtsson und Holger Löwenadler. Unter anderem fanden die Dreharbeiten bei den Schleusen von Berg und in Söderköping statt, aber auch in der Nähe von Töreboda.

In der Nacht vom 30. Juni zum 1. Juli 1956 bewegte sich Ariadne nach abgeschlossenen Dreharbeiten in westliche Richtung auf dem Kanal. In der unteren Schleuse in Hajstorp schaffte es die Besatzung nicht, die Maschine zu stoppen. Entweder hatte ein Fehlmanöver in der Maschine oder ein falsches Kommando aus dem Steuerhaus zu katastrophalen Folgen geführt. Mit voller Geschwindigkeit rammte das Schiff zuerst die eine und dann die andere Schleusenpforte.

Menschen wurden dabei nicht verletzt, der materielle Schaden war jedoch sehr gross. Da zwei Schleusenpforten ersetzt werden mussten, musste sämtlicher Schiffsverkehr während zwei Sommerwochen eingestellt werden.

(Auszug aus dem Buch „Göta kanal – bilder från västra linjen“ von Owe E Hermansson, 2002)

 


 

Im September 1822 wurde der westliche Teil des Kanals in Hajstorp eingeweiht. Zu diesen Festlichkeiten durfte Hajstorp zum ersten Mal einen schwedischen König willkommen heissen. König Karl XIV Johan erreichte Hajstorp abends um 18 Uhr, am 23. September, und wurde mit lautstarkem Jubel empfangen. Anschliessend warteten ein Nachtessen und weitere Festlichkeiten auf den König. Später an jenem Abend durfte Baltzar von Platen das blaue Band des Königlichen Seraphinenordens entgegennehmen.

Hundert Jahre später besuchte ein weiterer König Hajstorp, nämlich König Gustav V. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts hatte man in Hajstorp einen Gedenkstein erstellt. Während des 100-Jahre-Jubiläums legte der König eine Platte mit seiner Signatur zum Stein.

Während fast 125 Jahren war Hajstorp der Hauptort für die Werkstätten der Kanalgesellschaft auf der westlichen Seite des Kanals. Heute haben die Kanalreparateure ihren Ausgangspunkt in Sjötorp. Lediglich eine Anzahl alte Magazine werden bis heute von der Kanalgesellschaft genutzt.

Im einstigen Schleusenwärterhaus wird das Schleusencafé von Hajstorp sowie ein Gästehaus betrieben. Im alten Hafenmagazin wird durch den Kunsthandwerkerverein „Hantverkarna kring kanalen“ den Verkauf von Kunsthandwerkgegenständen angeboten, auch kann ein Museum besucht werden, das vom Heimatverein in Töreboda betrieben wird.

 

Wenn nun die Wanderung nach der Brücke weiter in östliche Richtung fortgesetzt wird, können Sie auf der rechten Seite die prächtige Holzvilla des einstigen Kanalingenieurs, sowie die zwei dazugehörenden kleinen Gartenhäuschen sehen. Die Villa wird „Lahrins Pavillons“ genannt. Entlang des Leinenpfades zwischen der Schmiede und der Ingenieursvilla steht der zu Beginn des 20. Jahrhunderts erstellte Gedenkstein.

Nun liegt eine 4,5 km lange Strecke nach Töreboda vor Ihnen. Entlang dieser Strecke gibt es keine Schleusen, jedoch zwei Rollbrücken – eine in Lövsängen und die nächste in Gastorp. Bei diesen Brücken stehen dazugehörende Brückenwärterhäuser. Heute werden die meisten der Schleusen- und Brückenwärterhäuser an Privatpersonen vermietet, in einigen davon, wie zum Beispiel in Hajstorp, sind Gewerbe einquartiert.

 

Die Baumallee

Nachdem der Kanal fertig erstellt war, wurden entlang mehreren Strecken Bäume gepflanzt. Man testete verschiedene Baumarten wie Linde, Ahorn, Mehlbeerbaum und Esche. Mit dem Pflanzen von Bäumen wurde fortgesetzt. Besonders fleissig war man während den 1860-er- Jahren, als tausende von Bäumen gepflanzt wurden.

Zu jener Zeit gab es Bäume entlang der ganzen Strecke, ausser an Stellen mit Waldgebieten gleich neben dem Kanal. Nach einiger Zeit merkte man jedoch, dass die Bäume auch Probleme schaffen konnten. An einigen Stellen wuchsen die Bäume nämlich so schnell, dass sich die Wurzeln in die Kanaldämme hineindrängten und diese so zerstörten. Dies führte zu teilweise schweren Lecks. An den schmalsten Stellen des Kanals war man deshalb gezwungen, viele der Bäume zu entfernen. Auf der Strecke zwischen Gastorp und Töreboda wurden auf beiden Seiten des Kanals Bäume angepflanzt, insbesondere Mehlbeerbäume. 1999 begann die Kanalgesellschaft, entlang dem Kanal wiederum Baumalleen zu pflanzen. Heute werden jährlich ca. 50 Bäume gepflanzt, und die dazu meist verwendeten Baumarten sind Linde und Ahorn.

Lesen Sie hier, wie Sie eine Baumpatenschaft übernehmen können.

 


 

Die Brüder John und Nils Ericsson

Im Juli 1810 reiste der ehemalige Grubenaufseher Olof Ericsson nach Forsvik. Seine beiden Knaben, Nils und John, waren zu jenem Zeitpunkt acht und sieben Jahre alt.

1815 wurde in Tåtorp die Kanalschule gegründet, die erste höhere technische Ausbildung des Landes. Nachdem die Brüder Nils und John als Kadetten im mechanischen Verband der Flotte angenommen worden waren, durften sie sich in Tåtorp ausbilden lassen. Hier lernten Sie unter anderem Planimetrie, Geometrie und die Kunst, mit Lavierung mechanische Teile auf einem Plan zu schattieren oder Niveauunterschiede auf Karten zu schaffen.

John hatte schon sehr früh ein ausgeprägtes Interesse für das Zeichnen von Modellbauten. So hatte er mit sechs Jahren unter anderem eine detailreiche Miniatur einer Grube angefertigt.

Baltzar von Platen erfuhr von der grossen Geschicklichkeit der Brüder, und bereits im Alter von 12 Jahren erhielt John die Verantwortung über die enorme Arbeit mit dem Zusammenstellen von sämtlichen Plänen für den westlichen Teil des Kanalbaus. Später bekam John Arbeit als stellvertretender Nivellierer bei der Arbeitsstation Riddarhagen, und danach war er verantwortlich für die Nivellierung in Töreboda und Rotkilen. Dies bedeutet, dass mehrere hundert Männer auf die Anweisungen eines jungen Knaben angewiesen waren.

John Ericsson wurde später noch bekannter, nachdem er den Propeller erfunden und das Panzerschiff Monitor entwickelt hatte. Dieses Panzerschiff wurde von der amerikanischen Nordstaatsflotte verwendet, um die Südstaaten zu besiegen.

Nils Ericsson blieb in Schweden und war unter anderem beim Ausbau des Trollhättekanals beteiligt. Er erhielt auch den Auftrag als Baumeister für die Stammbahn, als das Eisenbahnnetz entwickelt werden sollte.

(Auszug aus dem Buch „Göta kanal – den blå vattenvägen genom Sverige”, von Svahn/Nordholm, 2004)

 

 


 

Töreboda

Nach Gastorp erreichen Sie schon bald das Städtchen Töreboda. Zuerst werden Sie den Yachthafen von Töreboda sehen, und auf der Nordseite des Kanals den Campingplatz mit seinen Ferienhäusern und der Aussenbadanlage. Folgen Sie der Schilderung und überqueren Sie den Kanal auf der Landstrassenbrücke.

Etwa 9 000 Menschen leben in der Gemeinde Töreboda. Zur Gemeinde gehören auch die Ortschaften Moholm und Älgarås. Kennzeichnend für Töreboda ist, dass sich hier der wenig verkehrsreiche Kanal und die westliche Stammbahn, mit Schnellzügen 7 zwischen Göteborg und Stockholm, kreuzen.

Im Brückenhaus von Töreboda hat der Brückenwärter viele Brücken zu bedienen. Von hier aus werden folgende Brücken ferngesteuert: Lövsäng, Gastorp, die Landstrassenbrücke von Töreboda, die Eisenbahnbrücke sowie Rotkilen.

Als der Kanal gebaut wurde, war die Eisenbahn noch nicht vorhanden. Diese kam erst im Jahr 1859. Während langer Zeit war Töreboda ein blühender Handelsplatz, da sich die Eisenbahn und der Kanal in positiver Weise ergänzten und hier mehrere Umlademagazine errichtet wurden. Viele Reedereien hatten enge Zusammenarbeit mit der Eisenbahngesellschaft, und es war nicht erstaunlich, dass der Eingang zum grossen Bahnhofsgebäude von Töreboda auf der Kanalseite erbaut wurde, da dort die meisten Transporte entgegengenommen wurden

Gleich nach der Eisenbahnbrücke und dem Bahnhofsgebäude kann man den Kanal mit Lina, der kleinsten Fähre Schwedens, überqueren.

 


 

Lina – die kleinste Fähre Schwedens

Die Initiative zu einer regelmässigen Bootsverbindung über den Göta Kanal kam nicht von einem Seefahrer, sondern von einem pensionierten Lokomotivführer. Oskar Lindhult wurde 1857 geboren und wurde 1917 pensioniert. Nach ein paar Jahren brauchte Oskar eine Beschäftigung. Er wusste, dass die Bewohner von Börstorp, auf der anderen Seite des Kanals, stets einen langen Umweg unter die Füsse nehmen mussten, um ins Stadtzentrum zu gelangen. 1919 eröffnete er die erste Fährenverbindung, mit einem kleinen aus Eichenholz gebauten Schiff, welches er höchstpersönlich ruderte und steuerte. Für seine Mühe verlangte er 5 Öre pro Person und Einzelfahrt. Auf diese Weise hatte Oskar eine Beschäftigung und einen Zeitvertreib, und machte gleichzeitig das Leben vieler Einwohner von Töreboda etwas einfacher.

In den 1940-er Jahren übernahm die Gemeinde Töreboda die Fähre.

(Auszug aus dem Buch „Göta kanal den blå vattenvägen genom Sverige“, von Svahn/Nordholm, 2004)

 


 

Beim Stadtrand von Töreboda kommt man an der Rollbrücke von Rotkilen vorbei. Hier muss man den Kanal wiederum überqueren, um weiterradeln oder weiterwandern zu können. Gleich neben dem Kanal befindet sich ein mit Stein besetzter, unterirdischer Gang, der es für kleine Bäche möglich macht, am Kanal vorbeizukommen.

Bevor Sie die nächste Brücke bei Jonsboda erreichen, haben Sie nun eine ungefähr fünf Kilometer lange Strecke durch hübsche Landwirtschaftsgegend vor sich.

 

Jonsboda 

1880 wurde bei der Brücke in Jonsboda ein neues Brückenwärterhaus aus Holz erbaut. Carl Andersson war der Erste, der ins Haus einzog. Der Brückenwärter und Schmied blieb ganze 43 Jahre lang auf seinem Posten, ab 1858 bis zu seinem Tode im Jahr 1901.

Danach war hier Anders Gustaf Engren während 19 Jahren tätig, auch er war Schmied. Der nächste Brückenwärter hiess Svensson, wiederum ein Schmied. Dieser wohnte hier zwischen 1920 und 1952.

Ab 1965 bediente der Brückenwärter von Jonsboda auch die Brücke in Stång, und heutzutage wird die Brücke in Jonsboda vom Brückenwärter in Stång ferngesteuert. In Jonsboda wird heute ein beliebtes Café mit Camping und Stellplätzen betrieben.

Hier in Jonsboda müssen Sie wiederum den Kanal überqueren, um dem alten Leinenpfad weiterhin folgen zu können. Nach 3,5 km haben Sie Vassbacken erreicht. Davor kommen Sie aber noch bei der erwähnten Rollbrücke in Stång vorbei.

 


 

Die weissen Kanalschiffe

Mit etwas Glück können Sie während Ihrer Fahrradtour entlang des Göta Kanals eines der drei grossen, weissen Kanalschiffe der Reederei „Rederi AB Göta Kanal“ sehen. Diese Schiffe verkehren zwischen Göteborg und Stockholm und in umgekehrter Richtung. Die Kanalgesellschaft (AB Göta kanalbolag) ist nicht verantwortlich für Passagiertransporte, sondern kümmert sich im Auftrag des schwedischen Staates um den Unterhalt, die Bewahrung und die Entwicklung des Kanals. Sämtliche drei Schiffe sind gebaut, um exakt in die Schleusen des Kanals zu passen.

Die 1874 in der Motala erbaute M/S Juno ist das älteste der drei Schiffe, sowie auch das weltweit älteste Schiff mit Übernachtungsmöglichkeiten. 2003 wurde eine umfassende Renovierung durchgeführt, und seit 2004 steht das Schiff unter Denkmalschutz und wird somit als kulturhistorisch wertvoll angesehen.

M/S Wilhelm Tham ist genau wie M/S Juno in Motala erbaut worden, sie wurde 1912 vom Stapel gelassen. Das Schiff verfügt über 25 Kabinen verteilt auf drei verschiedenen Decks, was Platz für 50 Passagiere bietet. Auch „Thammen“, wie das Schiff liebevoll genannt wird, steht unter Denkmalschutz.

M/S Diana ist das jüngste der drei Schiffe und wurde 1931 in der Werft von Finnboda bei Stockholm erbaut. Im Gegensatz zu M/S Juno und M/S Wilhelm Tham sind der Speisesaal und der Salon zusammengebaut, somit eignet sich das Schiff bestens für Konferenzen und Treffen für bis zu 50 Personen. Auch M/S Diana steht unter Denkmalschutz.

 


Vassbacken

Von Jonsboda aus radelt oder wandert man entlang des Kanals und bei Stång vorbei und erreicht dann Vassbacken. Dieser Ort ist eine Oase in der Landschaft, heute gibt es hier ein Café, einen Campingplatz und ein Gästehaus. Damals aber war der Ort, wie so manche Orte entlang des Kanals, ein bedeutender Umladeplatz.

In der Umgebung von Vassbacken gab es mehrere grosse Höfe. Hier in Vassbacken luden die Getreideanbauer ihre Waren ein und aus. Im heutigen Café befand sich ein Lagerraum. Ebenfalls gab es hier ein grösseres Magazin, das heute jedoch abgerissen ist.

 


 

Das Posthaus in Vassbacken

Zwischen 1830 und 1864 gab es hier ein Posthaus, das Wassbacken genannt wurde. Nachdem der westliche Teil des Göta Kanals eingeweiht war, entwickelte sich Vassbacken zu einem Knotenpunkt, wo sich der Kanal und die alte Landstrasse kreuzten. Die Postkutsche zwischen Wanäs am See Vättern (die heutige Stadt Karlsborg) und Mariestad, dem Sitz des Regierungspräsidenten des Gebietes, machte hier Halt.

Ein kleines Haus auf dem Hof des Schleuseninspektors wurde mit Gittern versehen und wurde zum Postbüro, mit dem Schleuseninspektor als Postmeister. Heute betreibt der Heimatverein von Moholm ein Museum im ehemaligen Postbüro. Hier gibt es Ausstellungen über den Göta Kanal und die Postgeschichte von Vassbacken.

 


Der Bergkanal – Lanthöjden

Nachdem man nun Vassbacken hinter sich gelassen hat, sind es nur noch fünf Kilometer bis nach Tåtorp, dem Ziel der Fahrradtour. Nach etwa einem Kilometer erreicht man den Bergkanal, diese Strecke des Kanals wurde in den Jahren 1931 bis 1933 gebaut, und die 900 m lange und enge Passage um Lanthöjden herum wurde dadurch um die Hälfte kürzer gemacht.

Diese Massnahme wurde mit Freude entgegengenommen, insbesondere von grösseren Schiffen, da die enge Kurve immer wieder grosses Elend wie z. B. kaputte Propeller und mühsamer Gegenverkehr verursacht hatte.

Die alte Strecke ist heute nicht mehr befahrbar für grössere Schiffe, da es mehrere feste Fussgängerbrücken gibt. Mit dem Kanu aber ist es nach wie vor möglich, die alte Strecke zu befahren. Auf der Insel, die während dem Bau der neuen Strecke gebildet wurde, steht ein Obelisk, der den höchsten Landpunkt des Göta Kanals, 91 Meter über dem Meeresspiegel, symbolisiert.

 


„Der Knabe”
von Bianca Maria Barmen, 2009

Auszug aus der Motivierung der Jury: „Bianca Maria Barmen erinnert mit ihrer Skulpturengruppe an eine wirkliche Geschichte, die vom Transport des Steinobelisken nach Lanthöjden erzählt. Dieser Obelisk steht auf 91 Meter über dem Meeresspiegel und markiert den höchsten Punkt des Göta Kanals, zwischen Tåtorp und Vassbacken in der Gemeinde Töreboda. Die Künstlerin visualisiert im Kunstwerk auch ihre eigenen Erlebnisse auf dem Kanal während Ihrer Kindheit…“

 


 

Die Strecke bei Lanthöjden vorbei unterscheidet sich sehr von der bisherigen Wanderung oder Fahrradtour durch flache Weide- und Ackerlandschaft. Hier radeln oder wandern Sie durch Wälder und über Hügel, und gleich neben dem Kanal wachsen Farnkraut sowie Heidel- und Preiselbeerengestrüpp.

Die Strecke von Lanthöjden nach Tåtorp gehört zum Bergkanal. Hier mussten die Kanalarbeiter das Urgebirge durchsprengen. Der Bau der Strecke dauerte sieben Jahre.

 


 

Der gegrabene Kanal

Der westliche Teil des Göta Kanals besteht aus 37 km, und der östliche Teil aus 50 km von Hand gegrabenem Kanal. Die Erdmassen sollen einem 5 m hohen und 1 m breitem Damm von Treriksröset in Lappland bis nach Smygehuk in Südschonen entsprechen.

Nicht unmöglich! Der Kanal ist 3 m tief, 26 m breit auf der Oberfläche und 14 m breit auf dem Grund. Die Massen wurden zum Bau von Dämmen verwendet, sodass Überschwemmungen vorgebeugt werden konnten.

(Auszug aus dem Buch „Göta kanal – bilder från västra linjen“ von Owe E Hermansson, 2002)

 


 

Tåtorp

Tåtorp, von wo aus der See Viken die Kanalfahrer weiter nach Forsvik und Karlsborg führt, ist das Ziel Ihrer Fahrradtour oder Wanderung.

Hier steht der Signalmast, der früher bei Lanthöjden zu sehen war. Ebenfalls gibt es hier eine von insgesamt zwei Schleusen, die heute noch von Hand manövriert werden. Die zweite befindet sich in Borensberg in Östergötland. Die Schleuse hier in Tåtorp wurde 1814 erbaut und erhielt den Namen Daniel Thunberg, zu Ehren des Mannes, der die ersten Pläne für den Kanalbau geschaffen hatte. Bei der Schleuse handelt es sich um eine sogenannte Niveauschleuse, die den Wasserstand zwischen dem Kanal und dem See Viken regelt. Die Fallhöhe der Schleuse beträgt 0,2 m.

 

Vielen Dank und auf Wiedersehen!

Sie haben nun das Ziel Ihrer Fahrradtour oder Wanderung erreicht. Wir hoffen, dass Sie viele unvergessliche Erlebnisse und Eindrücke mit nach Hause nehmen. Vielleicht haben Sie etwas Neues über das grösste kulturhistorische Bauwerk Schwedens, den Göta Kanal, dazugelernt.

Jährlich befahren bis zu 3 000 Schiffe den Kanal und das Gebiet wird jede Saison von ungefähr drei Millionen Touristen besucht. Sie sind nun einer von diesen und wir hoffen, dass Sie den Göta Kanal bald wieder besuchen!

Herzlich willkommen!